Wo tanzen? Wo stärken?

Heute haben wir ausfindig gemacht, was man an den SMT während der Nacht so alles machen kann. Ein Besuch im Klosterkeller und auf dem Dorfplatz.

 

Hungrig nach oder vor den Discos im Klosterkeller? Dann kann man sich auf den Dorfplatz begeben und sich mit einer Spezial SMT-Wurst stärken. Wer sind die Leute, die für volle Bäuche und Tanzflächen während der Nacht sorgen? Ein Augenschein vor Ort. 

Von Nina Laky

Um den Klosterkeller des Kapuzinerklosters St. Klara ringen sich Legenden. Eine davon: Letztes Jahr, als Helferinnen und Helfer der SMT die ganze Nacht bis am Sonntagmorgen durchfeierten, stürmte anscheinend ein hell aufgeregter Pastorialassistent (o.ä.) in den Klosterkeller. Man müsse dringend die Musik abstellen, oben in der Kirche würde schliesslich am Sonntag pünktlich um 7 Uhr die Messe beginnen! Kulant wurde die Musik abgestellt und das eine oder andere Bier andächtig in Stille getrunken. Um 8 Uhr konnte dann die Party weitergehen.

Dieses Jahr befindet sich die Helferbar nun im Theater an der Mürg. Im Klosterkeller hat die Veranstaltungsgruppe «Die Zentralbande» die Abende programmiert. Getanzt werden kann bis 2 Uhr. «Die Zentralbande» sind alles enge Freunde aus Nidwalden, einer davon ist Patrick Näpflin. Gemeinsam haben sie «etwa 2010» die erste Party organisiert. «Unsere erste Party war in einem 2-stöckigen Stromturm in Wolfenschiessen. Die erste Party – an das erinnern wir uns immer wieder gerne zurück», sagt Patrick Näpflin. Zum zweiten Mal buchen sie nun DJs für das Nachprogramm der Stanser Musiktage.

Ihnen sei wichtig, bei der Party auf Inklusion zu achten: «Die Veranstaltungen müssen für alle zugänglich sein und die Preise fair», sagt Patrick Näpflin. Genre-Grenzen kennen sie eigentlich keine, im Klosterkeller gibt es die ganzen SMT Hip Hop, Latin, Reggae oder auch House zu hören. «Wem es nicht gefällt, der kann sich in unseren ‹Panic Room› begeben, sein Handy an einen Ghettoblaster anstecken und Halt an den Hula-Hoop Ringen suchen.»

Wer gerne Blitze mag, für den ist in einem Mini-Raum für Strobolicht gesorgt (Strobo fotografieren...schwierig):

Ist es anspruchsvoll, in einem kleinen Kanton wie Nidwalden Partys zu veranstalten? «Nein, aber die Nidwaldnerinnen und Nidwaldner haben schon manchmal gerne altbewährte Muster – Stichwort Kaffeestube. Man hat auch lieber eine gewöhnliche Discokugel statt Lichtinstallationen, aber mit der Kritik können wir umgehen.» Zudem wolle man auch Experimente wagen und das Risiko in Kauf nehmen, dass vielleicht nicht so viele Leute auf der Tanzfläche stehen. 

Alle vom Team wohnen schon länger in Luzern. Wollen sie zukünftig auch dort veranstalten? «Es ist schwierig, in Luzern einen Raum zu finden. Einer, der unabhängig funktionieren kann und in dem Partys stattfinden können, bei denen kein finanzielles Interesse im Hintergrund steht.» Wie aber bezahlen sie den DJs die Gage, wenn sie wenig oder fast nichts an Eintritten verlangen? «Irgendwie geht es immer, wir wollen kein Geld verdienen! Wenn wir die 200-300 Franken für einen DJ nicht an der Bar zusammenkriegen, legen wir zusammen.»

Wen die Party im Klosterkeller oder auch in der Zivilschutzanlage beim Steimättli hungrig zurücklässt, kann zu später Stunde (jeweils bis ungefähr 01.30 Uhr) noch auf dem Dorfplatz vorbei: Dort gibt es einen Grill und hinter dem stehen Sebastian Herrera (links auf dem Foto) und Gonzalo Perdomi. Beide sind aus Argentinien, Sebastian Herrera lebt aber seit zwei Jahren in Spanien. Was hat sie hinter den SMT-Grill verschlagen? «Wir sind hier in den Ferien bei einer Kollegin, die den Wurstand leitet. Das Festival hätten wir sonst wohl leider nicht kennengelernt», sagt Sebastian Herrera. Auf dem Dorfplatz servieren sie eine Spezial SMT-Wurst, eine Kalbswurst oder eine Vegi-Wurst mit Brot, Sauerkraut, Röstzwiebeln und selbstgemachten Saucen.

Seit zwei Tagen sind die beiden zum ersten Mal in der Schweiz, sie übernachten jeweils in Luzern. Gefällt es den beiden bis jetzt? «Ja, alles ist so perfekt und sauber. Es ist zwar kalt, aber schön. Wir sind vor allem wegen der Landschaft hier, sie erinnert recht fest an Patagonien.» Gonzalo Pedromi sagt sehnsüchtig: «Wir warten nur noch, bis die Wolken verschwinden und wir die Berge sehen können. Dann suchen wir einen aus und besteigen ihn.» Seine Grossmutter sei übrigens Schweizerin gewesen und habe zum zweiten Namen «Helvetia» geheissen.

In Argentinien selbst, so erzählen die beiden, esse man kaum Würste. Vielleicht am ehesten noch eine Blutwurst zur Vorspeise, bevor «Asado» auf den Tisch kommt. Wenn sie aber gar nicht viel Würste essen, was qualifiziert sie, hier in Stans Würste zu braten? «Wir kennen das Feuer!», sagt Sebastian Herrera. Fleisch müsse natürlich nicht über Gas, sondern über dem Holzfeuer gemacht werden. Das würden sie hier auch anbieten, hätten sie die Möglichkeit: «Über dem Feuer stundenlang gebratenes Steak mit Brot und verschiedenen Saucen wie Chimichurri.» 

Mit leichtem Hunger im Bauch und Kribbeln in den Beinen ist nun dieser heutige Text zu Ende gegangen. Es ist nun genau 21:00 Uhr: Zeit noch, für einen Augenschein an den verschiedenen Konzerten und ein wärmendes Getränk im Kaffeezelt, bevor das Nachtprogramm zum Tanz lädt. Guten Appetit und schönes Arme und Beine schwingen an den SMT!

 

Auf www.stansermusiktage.ch gibt es jeden Tag Interviews mit Bands und Berichte über Helferinnen und Helfer. Plus: In unserer täglichen Mini-Rubrik gehen wir jeweils fünf wichtigen Stichwörtern nach. Was hört, sieht, fühlt, isst und trinkt man an den SMT?

Gefühlt: Gespannt und abenteuerlustig.
Getrunken: Kaffee Schnaps im Kaffeezelt. 
Gegessen: Natürlich eine Stanser Bratwurst, angereichert mit argentinischen Saucen!
Gesehen: Die SMT lassen die Besucherinnen und Besucher nicht mal in der Warteschlange im Regen stehen:

Gehört: Auf die Frage, ob man Stans gut kenne die Antwort: «Ja, mein Zahnarzt ist hier!»