Mit Kellen und Einmachgläsern auf Tour

Celia und Habibi sammeln an den SMT-Abenden nicht verkauftes Essen ein.

Was an den Essensständen nach dem Feierabend noch übrig bleibt, holen die beiden SMT-Helfer Celia von Matt und Habibi Aminullah ab. Sie schöpfen die Resten in Gläser, Tupperware und Flaschen und bringen sie am nächsten Tag ins Nidwaldner Flüchtlingsheim. Was ergatterten die beiden auf ihrer ersten Tour?

Von Nina Laky

Am Dienstagabend um 22 Uhr ziehen Celia und Habibi mit einem Wägelchen los, Richtung Länzgi-Bühne. Mit im Gepäck: Einmachgläser und Plastikbehälter. «Wir haben 13.75 Franken ausgegeben für Tupperware, sonst nichts. Die Gläser und Flaschen sind von meiner Grossmutter», sagt Celia während Habibi den Wagen über eine Rampe stösst.

Angekommen bei den Essständen fragen sie nach den Resten zum Mitnehmen. Sie seien noch ein bisschen zu früh, sagt Sandro, der Verantwortliche des Standes. Er brauche noch ein paar Minuten. Ihr Anliegen aber, am nächsten Tag gemeinsam mit Flüchtlingen die Resten zu Mittag zu essen, kommt bei ihm gut an. «Das ist doch perfekt! Wir dürfen vieles gar nicht mehr brauchen und müssen es wegwerfen, wenn es mehr als drei Stunden steht. Alles hier kann man unbedenklich morgen noch essen, wenn es gekühlt wird», sagt Sandro. Der Abholdienst sei für ihn kein besonderer Aufwand, man stelle die Behälter am Ende einfach hin. Bis es soweit ist, ist nun genügend Zeit, um kurz über das Projekt zu reden. 

Celia und Habibi, ihr holt an den Ständen das übrig gebliebene Essen ab und bringt es am Folgetag ins Flüchtlingsheim. Gibt es dort nicht genug zu Essen?

Habibi: Doch, Essen gibt es für die 54 Leute, die dort leben, genug. Aber es gibt nicht genügend Geld, um sich viel Abwechslung zu leisten. Ende Monat gibt man auch weniger für Essen aus. Viele essen oft Reis und Spaghetti, weil es günstig ist. Meistens wird zu zweit gekocht. Als ich am Anfang hier war, konnte ich fast gar nichts Essen. Ich habe nichts vertragen, vieles war zu neu für mich. Aber heute geht es. Ich habe alles gern! Vor allem Fleisch. Das Reis aus Afghanistan vermisse ich aber.

Wie kam es dazu, dass ihr jetzt hier in der Nacht Essen abholt?

Celia: Ich habe schon länger an der Idee rumstudiert, da ich bei vergangenen Ausgaben im «Künstlerbistro» gearbeitet habe. Dort habe ich gesehen, wie viel in den Abfall kommt. Das tat mir weh: Salat, Poulet, Hackbraten, ganze Steaks. An den Musiktagen ist das Essen-Sammeln machbar, es ist eine Zeit, an der ich sowieso da bin. Die Zusammenarbeit lief unkompliziert und morgen hilft meine Mutter mit dem Auto mit, das Essen ins Heim zu bringen.

Habibi: Es kostet ja auch immer, das wegzuwerfen. Als Celia mit der Idee auf mich zukam, war ich gleich dabei, ich mache das gerne. Ich hoffe es klappt alles!

Aber die Küchen müssen sich ja an die Hygienestandards halten …

Celia: Ja, klar. Gekochte Teigwaren sind nicht mehr gut am nächsten Tag, das kann man dem Gast ja auch nicht so anbieten. Bei anderen Lebensmitteln verstehe ich weniger, wieso es weg muss. Eine Ingwersuppe zum Beispiel. Aber das sind die Regeln. Poulet ist sehr heikel, darum kommt das Poulet, das wir abholen, direkt in die Förderbar. Dort kommt alles immer schnell weg. Wir entscheiden, wenn wir alles haben, was wohin kommt.

Was passiert mit dem Essen über Nacht?

Celia: Ich habe einen grossen Kühlschrank und einen kühlen Apfelkeller, wo wir alles über Nacht lagern. Wir hoffen natürlich, dass es gar nicht so viel Resten gibt! Falls es viel ist, mache ich mir keine Sorgen, dass es nicht wegkommt. In der Förderbar verschwindet, wie gesagt, alles.

Nun kann es losgehen, das Essen steht zum Abholen bereit. Innerhalb einer Viertelstunde ist alles abgefüllt und gepackt: Reis, Curry, Teigwaren, Gemüse. 

Celia und Habibi stossen die Fracht nun Richtung Klosterbistro. Dort, in der Küche, diskutieren sie mit den beiden Köchen, was man noch alles mitnehmen und wie verpacken könnte. Schlagrahm hat es noch, Bratkartoffeln, Cheescake, Gemüse und Falafelbällchen.

Mit dem vollgepackten Wagen steuern Celia und Habibi nun wieder zu Celias Wohnung. Ab mit der Ware in den Apfelkeller!

Das gemeinsame «z'Mittag» im Asylheim scheint gut angekommen zu sein, die Tische und Teller sind voll. Dann geht es an den Abwasch: «Den machen wir jeweils am Nachmittag, bevor es dann um 22 Uhr jeweils wieder losgeht», sagt Celia. 

 

Auf www.stansermusiktage.ch gibt es jeden Tag einen Beitrag rund um’s Festivalgeschehen – Interviews mit Verantwortlichen, Gästen und mehr Infos zu Projekten der Stanser Musiktage. Plus: In unserer täglichen Mini-Rubrik gehen wir jeweils fünf wichtigen Stichwörtern nach. Was hört, sieht, fühlt, isst und trinkt man an den SMT?

Gefühlt: Tatkräftig und hungrig

Getrunken: Ein «Wegbier» (Eichhof Lager)

Gegessen: Curry und Frühlingsrollen

Gesehen: 

Gehört: Lyrischer Noise im Klosterkeller. Ein Auszug aus der Lesung bei Kerzenlicht: «…Präsident, wie war noch sein Name? Deklariert: ‹Wir müssen Paris den Autos anpassen!› und hat sein bestes getan, diese alte Stadt mit Schnellstrassen, Ringstrassen, Expressstrassen, Ausfallstrassen, Einfallsstrassen und Parkings zu bestücken. So, dass man heute oberirdisch nur noch vorwärts kommt, wenn man Minister ist und die Strassen mit Blaulichter und Motorradeskorte leerfegen kann. Der neue Präsident, ein Umweltschützer, der sich den Volk oft als Fussgänger zeigt, findet diese Reisen durch den total geöffneten Korridor etwas undemokratisch, geht zu Fuss, bis zum Helikopterlandeplatz, geht mit dem guten Beispiel voran, verzichtet auf den Chauffeur und pilotiert …»