«Do you have a cat?»

Sätze braucht es nicht immer. Die Strassenmusikband Fanfare Shukar und Bandbetreuer Husam Al-Saify benutzen mehrheitlich Zeichensprache.

 

Heute spielt Fanfare Shukar aus dem Örtchen Zece Prajini in Rumänien auf den Stanser Strassen. Betreut werden sie von Husam Al-Saify, er kommt aus Palästina. Eine gemeinsame Sprache fehlt, gelacht wird trotzdem.

von Nina Laky

Neun Musiker kamen nach 30 Stunden Autofahrt mit Tuba, Klarinette, Schlagzeug, Trompete und Saxophon in Stans an: Fanfare Shukar spielen Gypsy-Sound mit Einflüssen aus den ganzen Balkan. Costică Panțâru und seine Band sind eine Familie. «Alle Gypsys sind Familie! Streit gibt es nie, wir haben viel Spass zusammen», sagt der Mann mit Hut, als er und seine Band auf ihren Auftritt warten. Seine Bandfamilie nickt. Sie sind Brüder, Söhne und Schwiegersöhne. Alle sprechen ein wenig französisch, aber per Mail verständigte man sich mit der Festivalleitung mit Hilfe von Google Translate, so dass plötzlich die Frage: «Do you have a cat?» im Raum stand. Fanfare Shukar existieren seit 1989 und waren schon ziemlich überall, mittlerweile haben sie auch einen Lieblingsort: «Das ist Tokio! Wir hatten ein Konzert vor 4000 Leuten und alle hörten aufmerksam zu. Es gab keine Explosion, niemand hat geplaudert, alle waren fokussiert», sagt Costică Panțâru. Nach Tokio, so sagen alle, wollen sie unbedingt wieder. Was braucht man, um gute Strassenmusik zu machen, nebst viel Talent? «Stärke! Wir spielen ohne Verstärkung, wir brauchen viel Kraft, weil es auf den Strassen keine Wände oder ein Dach gibt. Wenn man in einem Raum spielt, kann man mehr variieren; von der Laustärke her zum Beispiel.» Zudem seien sie darauf bedacht, sehr schnell zu spielen. Und was gehört zum fixen Bandritual? «Vor dem Auftritt ein kurzes Gebet, ein Schluck Wodka. Nach dem Konzert gibt es dann noch einen Schluck Wodka.»


Verantwortlich dafür, dass sich die Band hier zurechtfindet ist Husam Al-Saify, er kommt aus Ramallah in Palästina, wohnt in Luzern und spricht Deutsch und Arabisch. In Zukunft möchte der Dolmetscher auch noch Französisch lernen, das helfe beim Übersetzen. Heute, benutzt er im kleinen Backstage von Fanfare Shukar auf dem Dorfplatz mehrheitlich Zeichensprache. Das funktioniert gut! «Wir haben Spass zusammen, sie haben Witz!», sagt Husam Al-Saify. In Ramallah arbeitete er an verschiedenen Musik- und Tanzfestivals. «Strassenmusik ist bei uns aber verboten, es wird auf den Strassen eher getanzt.» Konzerte würden mehrheitlich drinnen stattfinden. Für ihn ist es der erste Einsatz als Helfer in Stans. Wie gefällt es ihm? «Das Festival ist super organisiert, das macht vieles einfach. Ich würde mir aber wünschen, dass noch mehr Bands auf den Strassen spielen. Junge Bands, die einfach kommen und spielen.» Dass das für ihn mehr Arbeit bedeuten würde, stört ihn nicht. Was ihn wundert: «Jedes Festival hat Geldprobleme! In Ramallah hat mich das ja nicht verwundert. Aber in der Schweiz? Hier kein Geld? Das glaube ich nicht.»


Husam Al-Saify freut sich auf den Abend mit den Rumänen: «Ich glaube, wir werden eine sehr lustigen Zeit zusammen verbringen!«